Sonntag, 25. August 2019 – Meisterschaft

Depo vs. FC Widerstand Wipkingen – 5:1

Der Vierfach-Tom gegen die Strandfussballer

Mit 5:1 gewinnt Depo auch das zweite Match der jungen Saison. Den Unterschied machte wie so häufig Sturmtank Tom, dessen Mission «Torjägerkrone» nach seinem Vierfachpack immer konkretere Züge annimmt. Nicht wegzudiskutierende Abwehrprobleme wurden an diesem Tag von wenig effizienten Stürmern des Gegners und der Reinkarnation von Marco Pascolo bedeutungslos gemacht.

«Ja, Mann! Geilä siech!» Laut schallte es zu Beginn der zweiten Halbzeit von der Seitenlinie über den Platz. Obwohl höchst angebracht galt diese Huldigung nicht etwa Depo-Stürmer Tom, der bis dato schon mehrfach seine Klasse bewiesen hatte und seine Leistung wenige Minuten später mit seinem vierten Goal krönen sollte. Nein, der von Depo für den «Schweizer Comedian des Jahres» nominierte Bänz F. hatte live den Schlussgang beim ESAF verfolgt und nach erfolgtem «Lupf» seiner Freude freien Lauf gelassen.*

Tatsächlich hätte der Spielverlauf zu dieser Zeit durchaus noch Aufmerksamkeit verdient. Zwar stand es zum Zeitpunkt des emotionalen Ausbruches schon 4:1 für Depo und wenig bis ganz wenig sprach noch für einen gedrittelten oder gar totalen Punktverlust. Dennoch erspielten sich die Depos Chance um Chance, um gleichzeitig hinten Chance um Chance zuzulassen. Während die Widerstand-Stürmer nach allerlei technisch anspruchsvollen Einzelaktion aber wieder und wieder an den eigenen Nerven oder wiederholt am glänzend aufgelegten Simon «Krake» Sigg scheiterten, konnte Depo wenigstens ab und an seine Angriffe veredeln. Ein letztes Mal geschah dies kurz vor Schluss, nach altbekanntem, im Prinzip eher unkreativem, aber halt nicht zu verteidigendem Muster: Tom wird aus dem Mittelfeld gegen eine nicht sortierte Abwehr auf die Reise geschickt, geht auf den Goalie zu und verwandelt zum 5:1.

Mit diesem Treffer schraubte das Zürcher Pendant von Wayne Rooney – nur spielerisch gemeint; weder optisch noch in Fragen der Gestaltung von Beziehungen mit dem weiblichen Geschlecht vergleichbar – sein Tagessoll auf vier und die Saisonmarke auf sieben. Schon nach zehn Minuten der ersten Hälfte hatte er das erste Depo-Tor zu damals nicht unwichtigen 1:1 markiert. Dieser Treffer fiel nach berechtigtem Elfmeter und aufgrund der Grossherzigkeit des Schreibenden (extra noch auf der Ersatzbank) und der von Haile, der sein «Spieler des Jahres»-Geschenk erst bei einem wichtigen und entscheidenden Elfer bei einem Stand von 6:0 oder höher einzulösen gedenkt.

Depo geriet bei hochsommerlichen Temperaturen nämlich nach wenigen Minuten in Rückstand. Ein zugegebenermassen recht ansehnlich gespielter Angriff der Widerständler wurde da zwar im allerletzten Moment von Jonathan noch gestoppt. Darauf folgte aber ein Youtube-würdiges Kollektivverteidigungsversagen, welches in einen fast schamhaft ins rechte Eck trudelnden Ball und somit der Führung des Gegners gipfelte.

Überhaupt, der Gegner. Er hatte einen guten Goalie, wir aber Simon. Er hatte technisch beschlagene Stürmer mit Abschlussphobie, wir den Tom. Er hatte vor allem aber nicht die Ordnung und das Mannschaftsverständnis, welches Depo trotz vieler Unzulänglichkeiten an den Tag legte. Genau das brachte Aussenstehende auf den Vergleich «Strandfussballer», was nicht im mindesten böse oder abschätzig gemeint war. Das Spiel gegen sie war anstrengend, anständig, schön mit anzusehen, durchaus ausgewogen und hat Spass gemacht. Der Vergleich versuchte in Worte zu fassen, dass der Widerstand an diesem Tag individuell gut, als Mannschaft aber nicht entsprechend gut funktionierte.

Dies zeigte sich im Laufe der ersten Halbzeit: Depo liess hinten nicht mehr viele Chancen zu. Vorne startete Tom mal wieder zur rechten Zeit und in diesem Fall kam der Steilpass, hier von Miki, auch mal entsprechend vom Tempo und der Genauigkeit. Er rennt aufs Tor zu, den Rest kennt ihr ja. Kurz vor der Halbzeit dann tatsächlich ein spielerisches Highlight seitens Depo. Der Ball läuft über mehrere Stationen, Tom zieht zur Mitte, Morris mit perfektem Laufweg seziert die Abwehr, Tom steckt durch, Morris sein Schuss mit dem Aussenrist ist zwar arg mittig angesetzt, kann vom Goalie aber nicht abgewehrt werden, es steht 3:1.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit dann wieder das täglich grüssende Murmeltier. Langer Pass auf Tom, rabimsel rabamsel und Tor. Danach geht es den Umständen entsprechend hoch her. Konzentrierte Abwehrarbeit, Passgenauigkeit und Mittelfeldspiel werden als sekundär betrachtet. Das Spiel wogt hin und her, eine Beschreibung der wichtigsten Szenen erfordert den Telegramstil.

Simon pariert mirakulös und greift in allerbester Olli-Kahn-Manier über – Kasper scheitert zum wiederholten Mal kurz vor dem Tor an einem Abwehrbein – Simon mit grossartigem Stellungsspiel – Bänz schreit – Rico mit freiem aber nur halbgeglücktem Abschluss, den Reto über die Linie drückt, aber leider aus Abseitsposition – Simon läuft raus und wehrt eine gute Chance per Pressschlag ab – Tom rennt alleine aufs Tor zu, lirum larum und schiebt den Ball zur Abwechslung mal vorbei – Simon ist geschlagen, der Ball segelt allerdings vorbei – Serge bringt Farbe ins Spiel und zwar nach Kopfballduell ohne Ball blutrote (EDIT: Die Nase scheint nicht gebrochen zu sein) – Irgendwer (Vögi?) ruft laut: Junge! – Der Schreibende mit seiner einzigen an Fussball und körperlich bessere Tage erinnernden Aktion, einem inhaltlich richtigen und technisch halbwegs soliden Rückpass auf den einschussbereiten Kasper, aber Reto – wo kam der denn her? – geht dazwischen und scheitert, hauptsächlich an sich selbst – Simon treibt die Gegner ein weiteres Mal zur Verzweiflung.

Und dann endlich, endlich, Tom mit dem schon erwähnten Karnickelfangschuss. Das Spiel trudelt aus. Der juvenile Anhang ist zufrieden. Irgendwie ist man selbst ebenfalls zufrieden. Irgendwie weiss man auch, dass es eventuell in den kommenden Matches noch einer Leistungssteigerung bedarf.

Kai

Depo: Simon (Goalie), Jonathan (Kai), Bene, Simon (Vögi), Haile, Reto (Bänz), Miki, Serge, Rico (Morris), Kasper, Tom

*diese Aktion wurde von den am Rande sitzenden Aurora-Spielern mit dem sehr uneidgenössischen Satz «In Schlieren ist wer umgefallen» bedacht. Trotz Alkoholeinfluss vielleicht ein Fall für den Ethikrat der Alternativliga?

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