Sonntag, 23. Juni 2019 – Meisterschaft

Depo vs. Real Cabrón – 4:0

Unser Doktor Fuentes

Wozu eigentlich immer diese Matchberichte? Damit auch die Passiven und Verletzten erfahren, was sie wieder verpasst haben? Damit wir dereinst Heldengeschichten auf Lager haben, die wir dann unseren Enkelkindern vorlesen können? Damit Bänz sich auch mal über die Niederungen des sog. Männerfussballs auslassen kann? Oder auch nur, damit die Journalisten unter uns wenigstens ein Feld bespielen dürfen, wo man ihnen das Prädikat «Weltklasse» verleihen kann?

Alles nicht ganz falsch. Aber hin und wieder passiert es, dass ein Matchbericht die Zukunft neu schreibt. Wusste ja schon der alte Marx: Die Philosophen haben die Welt mit ihren Matchberichten nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf, sie zu verändern.

Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus. Gerade mal neun Depos tröpfelten am Sonntag in aller Herrgottsfrühe auf Hardhof 6 ein, dank den Gästen Chidi und Nica stand zumindest eine vollzählige Mannschaft parat. Die etatmässigen Torhüter Nr. 1 bis 4 waren allesamt abwesend, so musste halt der Feldspieler mit der am wenigsten guten Kondition zu den Goaliehandschuhen greifen. Auch wenn leider keine Goaliehandschuhe da waren. Egal.

Ein Notnagel zwischen den Pfosten, gähnende Leere auf der Ersatzbank, dazu die Temperaturen, die sich unerbittlich der Mittagshitze entgegen schraubten: So mancher machte sich da schon auf eine böse Klatsche gefasst. Aber es kam anders. Ganz anders.

Denn alle, die auf dem Platz standen, hatten den hässigen Matchbericht von Benno offenbar nicht einfach brav daheim ausgedruckt, unters Kopfkissen gelegt und auswendig gelernt. Nein, sie hatten sich seinen flammenden Appell richtig zu Herzen genommen, hatten ihn verinnerlicht, als wärs ganz harter Stoff von Doktor Fuentes. Blutdoping aus Buchstaben.

Sicher, das frühe Führungstor gegen Real Cabron half, das baldige 2:0 ebenso. Aber wie Depo diesen Vorsprung dann nicht nur verwaltete, sondern kein bisschen nachliess, wie Depo das Geschehen fast nach Belieben dominierte und sich auch nie auf aufkeimende Diskussionen einliess: das war richtig beeindruckend.

Und der Berichterstatter hatte einen Logenplatz da hinten, viel zu halten gabs nicht. Das lag an Coach Miki, der das Spiel in ungewohnter Rolle als Libero von hinten heraus ordnete; es lag an Haile und Bene an seiner Seite, die abgebrüht dafür sorgten, dass der Gegner kaum je zu echten Chancen kam; an Jonathan und Reto, die über die Flanken viel Zug nach vorne entwickelten; an Rico, Nica und Serge, die in der Zentrale ungemein bissig, aber sauber um jeden Ball kämpften und dann schnell den Weg in die Spitze suchten; und schliesslich an den wirbelnden Spitzen Chidi und Kasper, die vorne früh für die Vorentscheidung sorgten.

Kurzum: Das war geil zum Zuschauen. Für alle, die gegen Real Cabron nicht dabei waren: Zieht euch vor dem letzten Spiel gegen Sputnik nochmals diesen Matchbericht von Benno rein. Raucht ihn, schnupft ihn oder intravenös. Shutout o Muerte!

Floke

Depo: Floke; Haile, Miki, Bene; Jonathan, Rico, Serge, Nica, Reto; Kasper, Chidi.

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