Sonntag, 28. Mai 2017 – Meisterschaft

Depo vs. Atletico Bernina – 1:0

Heroisches Depo wahrt Ungeschlagenheit

Ein Spiel wie eine gute Erzählung. Deportivo gewinnt das dritte Spiel in Serie, indem es das zuvor unbesiegte Atletico Bernina in einem harten, aber äusserst fairen Kampf 1:0 bezwingt. Eine Willensleistung.

Es läuft die 69. Minute. Res taucht nach fulminantem Solo allein im gegnerischen Strafraum auf, zieht nach rechts, der Goalie eilt heraus – Res kommt spektakulär zu Fall, stürzt kopfüber. Von fern ertönt sofort der Penaltypfiff. Kai will sich schon bereitmachen, da erklärt Res unter dem Applaus der Gegner dem Unparteiischen, der Torhüter habe zuerst den Ball berührt, es sei kein Foul gewesen.

Dies ist der Stoff, aus dem Heldengeschichten sind. Heute hatte Depo dreizehneinhalb Helden: Res, Simi «Shutout» Sigg, Benedikt, Kai, Benno, Haile, Vögi, Miklos, Schummsi, Bänz und die Gäste Christoph Schärli, Patric Marino, Jonathan und Asim, der nur für eine Halbzeit kam und dann noch ein bisschen länger blieb …

Würde Res seine faire Geste noch bereuen? Depo führte zu diesem Zeitpunkt 1:0, denn besagter Asim hatte nach der Pause noch einige Minuten angehängt und hatte in einer Youtube-würdigen Einzelleistung zwei Verteidiger und zuletzt den Torhüter aussteigen lassen, ehe er zur Depo-Führung einschob. 1:0, zu diesem Zeitpunkt glücklich, aber nicht unverdient.

Wie sagte der grosse Peter Bichsel? Ein Fussballspiel lebt davon, dass es hinterher erzählt wird und noch einmal erzählt und noch einmal. Das heutige ist es wert, erzählt zu werden, und man muss dabei nichts ausschmücken, es bedarf keiner Übertreibung, keiner Zuspitzung. Es war schlicht grossartig.

Atletico Bernina hatte uns vor der Hitzeschlacht voraus, dass sie ihre beiden ersten Meisterschaftsspiele gewonnen hatten, im Schnitt wesentlich jünger und vor allem zahlreicher waren; viele Wechsel würden bei diesen Temperaturen vonnöten sein. Doch Depo weiss momentan das Glück auf seine Seite zu zwingen. «In dieser Saison ist sogar die Latte für uns», frotzelte einer von uns nach dem zweiten Alutreffer der forsch aufspielenden Berniner. Mag sein, dass wir zu Beginn Glück hatten, aber wenn, war es das Glück der Tüchtigen, denn Depo 2017 steht ganz anders auf dem Platz: konzentriert, solidarisch, parat.

Das ist schon körpersprachlich ganz anderes, als wir es in den letzten zwei, drei Saisons erlebten. Wir signalisieren Bereitschaft, glauben an uns, nehmen die Zweikämpfe an, stören den Gegner früh, pflegen ein konstruktives Kurzpassspiel. Und wir fanden auch heute über den Kampf ins Spiel – in dem uns der herauseilende Capitano Simi mit einem «Big Safe» nach einer runden halben Stunde behielt. Darauf hatten wir gar zweimal die Führung auf dem Fuss, doch ein Schuss wurde in extremis abgelenkt, und unserem Gast, dem Jungschriftsteller Patric Marino (der als einziger Unterdreissigjähriger ausgerechnet das «Ü 30»-Trikot trug), versprang der Ball auf dem trockenen, holperigen Terrain, als er kurz vor der Pause allein vor dem gegnerischen Goalie auftauchte.

Es bleib bis zum Wechsel torlos. «Irgendöppis stimmt bi ois na nöd zäme», stellten die Atletico-Spieler in der Pause fest, bereits leise zerknirscht. Danach traf Bernina noch einmal den Aussenpfosten, schoss ansonsten aber daneben und darüber, während Depo den angestrebten Führungstreffer erzielte.

Und die Art und Weise, wie Depo diese Führung danach verwaltete, gehört schon jetzt zu den denkwürdigen Stunden unseres Vereins, von denen wir noch oft und gern erzählen werden. So fokussiert hat man Depo selten erlebt. Vögi und Schummsi rackerten hinten bis zum Umfallen, vorn rannte Res wie ein Verrückter, jeder fightete für jeden, kein Ball wurde verloren gegeben.

Und dann, in besagter 69. Minute, verzichtete Deportivo generös auf die Ausführung eines ungerechtfertigten Elfmeters. Stattdessen brachten dreizehn Helden die drei Punkte ohne Geschmäckle heim, was den Sieg noch glorreicher macht, noch makelloser.

Und jetzt einfach noch mal auf der Zunge zergehen lassen: Vier von 24 Teams sind nach drei Meisterschaftsrunden noch ungeschlagen. Depo ist eines davon und belegt in seinem Tableau Rang 3. Aus dem Cup haben wir, by the way, den Leader des anderen Tableaus gekickt.

Ohne überheblich werden zu wollen: Traktor Emilie – drei Spiele, drei Punkte, 5:5 Tore – kann kommen!

bänz

3 Gedanken zu „Heroisches Depo wahrt Ungeschlagenheit“

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