Sonntag, 11. Oktober 2020 – Cup

Depo vs. Zürich United – 0:0 (4:1 n. P.)

[2.3] … gezittert

Du meine Güte! Neun Kisten gegen Eglisau, keine einzige gegen ein Zürich United, das sehr kampfstark, aber spielerisch deutlich schwächer als vor wenigen Jahren noch auftrat. Ein umkämpftes Spiel endete torlos und das nicht unbedingt unverdient. Fassungslosigkeit stand einigen Depos nach Schlusspfiff ins Gesicht geschrieben, verständlicherweise aufgrund einer drückenden Überlegenheit und eines wahren Chancenwuchers vor allem in der ersten Hälfte.

In dieser zeigte Depo die spielerisch vielleicht beste Leistung seit langer, langer Zeit. Der Kader war auch ohne verletzte oder anderweitig fehlende Leistungsträger wie den Presidente, Päde, Tom, Fabian, Ivan oder Flo extrem stark. Gerade Gastspieler Gabriel machte über weite Strecken ein unglaublich gutes Spiel, schnell, laufstark, physisch und technisch herausragend. Und dann gab es ja noch einen Ike, der mit seiner Schnelligkeit, Ballbehandlung, Zweikampfstärke und Spielintelligenz das Mittelfeld beherrschte. Hinten spielte Depo Mann gegen Mann, was mit Miki, einem abgeklärten, wie nie weg gewesen spielenden Saisondebütanten Haile oder auch Bene hervorragend gelang. Vorne gab Tom, dem aufgrund der passiven Spielanlage Uniteds kaum Räume geschenkt wurden, dieses Mal den Vorbereiter. Ein ums andere Mal legte er seinen Mitspielern die Bälle nach teils grossartigen Spielzügen massgerecht auf. Nun, Geschichte wiederholt sich anscheinend doch: Die Kernaufgabe, der Sinn des Fussballspiels wurde von Depo ein weiteres Mal ausser Acht gelassen. Der Ball wurde einfach nicht im Netz untergebracht. Klar, in Halbzeit Eins war der United Goalie, gekleidet im Lev-Jaschin-Gedächtnislook, überragend. Er brachte immer noch irgendwie unnötigerweise seine Hand an den Ball, ob beim tollen Sololauf Gabriels mit anschliessendem Heberversuch oder bei Morris’ Schlenzer Richtung langem Winkel. Dennoch liess Depo wirklich reihenweise Chancen selber liegen. Sogar Ike, perfekt im Sechzehner freigespielt und mit der Ruhe, nochmal nach innen zu ziehen, jagte den Ball aus acht Metern in zentraler Position über das Tor.

Nichts desto trotz war die Stimmung in der Halbzeitpause gelöst. Ein einziges Tor würde genügen, um das Spiel zu entscheiden und dann vermutlich noch deutlicher zu gewinnen, das war die einhellige Meinung. Allein, dieses erlösende Tor wollte und wollte nicht fallen. Mehr noch, irgendwann schien auch United daran zu glauben, mit der Depo-Traditionstaktik dieses torlose Ergebnis über die Zeit bringen, eventuell per Konter sogar einen Siegtreffer erzielen zu können. Die Gegner standen nun noch massierter, kämpften noch mehr und brachten immer irgendwie einen Fuss dazwischen. Die Chancen für Depo waren nun nicht mehr so häufig und vor allem so klar. Ein Ike Freistoss, von der schwarzen Katze stark abgewehrt, ein neben den Pfosten gestümperter Kullerball des Schreibenden nach Eckstoss, gefühlt fünfzehn geblockte Versuche von Tom und ein paar weitere Halbchancen, viel mehr war da nicht. Stattdessen versuchte es Depo ein ums andere Mal und mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr unüberlegt durch die Mitte, und blieb schlussendlich immer hängen.

Einmal hätte es dann doch passieren müssen. Icaro wurde nach gutem Solo und schönem Kurzpassspiel klar im Strafraum gelegt. Auf einen Penalty konnte man sich in Abwesenheit eines Schiedsrichters aber nicht einigen. Das war eine klare Fehl-, aber auch nachvollziehbare Konzessionsentscheidung. Wenige Minuten vorher nämlich rutschte Miki als letzter Mann bei einem Konterversuch der United unglücklich weg. Den daraus folgenden Geschwindigkeitsnachteil gegenüber dem gegnerischen Stürmer konnte er nur noch durch ein klares Festhalten ausgleichen. Auch hier blieb eine Sanktion – mindestens Gelb und zehn Minuten Auszeit, selbst Rot wäre nicht völlig absurd gewesen – aus. So blieb es bis zum Schlusspfiff beim 0-0. Das Penaltyschiessen, welches historisch nicht zu den absoluten Depostärken zählt, musste entscheiden. Die halbzeitliche Zuversicht war einer grossen Nervosität und beinah Resignation gewichen. Man weiss ja, wie solche Spielverläufe in der Regel enden.

Egal, die Schützen werden bestimmt, das finale Drama nimmt seinen Lauf.

Für Depo tritt Icaro an, ein Schuss, ein Strich, Torwart in der richtigen Ecke, egal, 1-0.

Uniteds stärkster Feldspieler stellt auf 1-1, nix zu machen für Simon.

Als zweiter Deposchütze ist der Schreibende an der Reihe, einst derjenige, der verunsicherten Depos in seligen Cherix-Zeiten die Kunst des sicheren Elfmeterschusses nahebrachte**. Sein Schuss fliegt/rollt hochpräzise, wenngleich an Kraft mangelnd in Richtung rechtes unteres Eck, der Goalie leider ebenso. Doch die Präzision entscheidet das Duell, «zussel», 2-1.

Schütze Nummer 2 von United möchte mit der Innenseite den Ball ins rechte obere Eck schlenzen. Rechts oben klappt, aber statt ins Eck muss man sagen: Deutlich vorbei, es bleibt beim 2-1, Vorteil Depo.

Dann übernimmt Coach Miki Verantwortung. Sein Schuss geht ebenfalls flach in Richtung unteres, dieses Mal linkes Toreck. Der Goalie ist verladen, der Ball drin, 3-1.

Uniteds nächster Spieler unter Druck, sein Schuss vermisst den solchen, er ist halbhoch, nicht fest, noch weniger platziert, Simon braucht nur in die Ecke zu laufen und fängt den Ball beinah. Es bleibt beim 3-1, Jubel bricht aus.

Doch noch ist es nicht zu Ende und würde überraschen, wenn Depo es nochmal spannend machen würde?

Ike ringt mit sich und einem Panenka-Versuch. Er entscheidet sich aber vernünftigerweise für einen harten Strahl, der fest und platziert genug ist, dass der Goalie nicht den Hauch einer Chance hat.

4-1, aus und vorbei, einem unrühmlichen, sinnlosen, aber selbst verdienten Ausscheiden ist Depo entronnen.

«Depo kann Cup», meinte Bänz. Recht hat er, aber das wäre bedeutend einfacher gegangen….

** siehe Archiv

Kai

Aufstellung nach Gedächtnisprotokoll und WhatsApp:

Simon (Goal), Miki, Bene, Haile, Philipp, Bänz, Kai (Abwehr), Morris, Loris, Icaro, Rico, Gabriel (Gast), Ike (Mittelfeld), Tom, Fabio (Gast), Tim (Sturm)

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