Deportivo startet mit einer herben Niederlage gegen den amtierenden Meister in die Saison. 1-5 hiess es nach 80 Minuten gegen ein bärenstarkes und dieses Mal sich im Rahmen der Alternativligakonventionen bewegendes Schachtjor. Dennoch muss keine Katerstimmung herrschen, denn Leistung – ausser vielleicht die Laufleistung – und weitere Ansätze stimmen zuversichtlich.
«Sie sind jünger als wir, sie sind fitter als wir, sie sind besser als wir….» Depo-Nostalgiker müssten jetzt aufhorchen. Waren dies doch die Worte von «Tennisturnier-statt-Bullingerturnier»-Rico, mit denen er einen wunderbaren Artikel zu einem noch schöneren Spiel einleitete. Anno 2017, Cup-Spiel gegen Furttals Finest, 3-2 Depo, of our finest moments. (nachzulesen hier: Der Cup schreibt seine eigenen … – Deportivo). Tempi passati! Furttal ist nun (auch) alt, und, leider viel wichtiger, Geschichte wiederholt sich nicht (oder laut des grossen Denkers Karl Marx nur als Tragödie oder als Farce). Am ersten Spieltag der neuen Saison bekamen wir es mit dem amtierenden Meister zu tun. Schachtjor – da war doch was? Mehr dazu später – verfügt über eine eingespielte Mannschaft, mit einigem jungen und vor allem schnellen Blut und durch die Bank weg fussballerisch guten bis sehr guten Kickern (jünger – wenngleich nicht sehr – fitter, besser).
Nichts angeboten, drei kassiert
Folglich lief das Match von Anpfiff weg meist in Richtung des von Jonas gehüteten Depo-Tores. Zwar konnte «der Dicke» (nein, nicht der Bayern-Mario Götze, sondern der so vom Gegner gebrandmarkte Vögi) nach zehn Minuten einen möglichen Rückstand noch verhindern, indem er aus Karmagründen einen laut Jonas «klaren Penalty» nicht eingestehen wollte. Wenige Minuten später fiel dann das Depo-Bollwerk, welches gegen diesen sehr starken Gegner eigentlich gut funktionierte, doch zum ersten Mal. Der sonst tadellose Alessandro klärte eine der vielen Flanken per Kopf leider etwas zu kurz, so dass sich dem Grubenarbeitermittelstürmer eine Schusschance aus ca 20m zentral bot. Jonas hätte diesen sicher pariert und sofort einen brandgefährlichen Konter eingeläutet, wenn der Abschluss nicht von Ales Schienbein per Bogenlampe sich unhaltbar ins Netz gesenkt hätte.
Genauso lief das Spiel dann weiter. Schachtjor machte das Spiel, geduldig, ballsicher, aber auch chancenarm, da Depos Hintermannschaft samt des kompakten Mittelfeldes wenig bis nichts anbot. So bedurfte es eines, zugegebenermassen sehr gut gespielten Angriffs über die rechte Depo-Seite, eines Masterclass-Tricks, um «den Dicken» aussteigen zu lassen, aber auch eines nur mit dem Schienbein getroffenen Schussversuches, der sich wieder über den ja nicht so kleinen Jonas ins Eck senkte, für die scheinbar komfortable 2-0-Führung nach 20 Minuten.
War das schon der Vorentscheid? Mitnichten. Tatsächlich gelang es Depo zwar nicht, das Spiel offen zu gestalten. Dafür wurde aber nun auch für Gefahr vor des Gegners Tor gesorgt. Einen grossen Anteil hieran hatte Mittelstürmer Simon. Kaum mit Schuhen ausgestattet, bereitete er zuerst eine sehr gute Chance von Marc vor (schwer zu nehmen, daher leider drüber). Danach zeigte er einen klugen Laufweg, der ihm nach wunderbarer Flanke eben jenes Marc eine hervorragende Einschusschance ermöglichte. Wirkte die Ballannahme noch etwas unkonventionell, so war der Abschluss aus sieben Metern trocken und im Prinzip Formsache. 1-2, geht da eventuell etwas?
Ein paar Minuten schien es so. Der Gegner zeigte sich beinahe etwas nervös und opferte das eigenen Kurzpassspiel plötzlich für lange, im Prinzip gut abzuwehrende Schläge. Bis zur 39. Minute, wo ein perfekter, vielleicht zu verhindernder, aber nur schwer zu verteidigender Schnittstellenpass von links mit einem technisch anspruchsvollen Heber gekrönt wurde. Statt mit einem 1-2 musste Depo mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Pause gehen. Man hatte dem Gegner wenig angeboten, dieser daraus aber dummerweise drei Buden gemacht.
Appell, ausgeglichene Minuten, Karnickelfangschlag
Nach aufbauenden, aber auch mehr läuferisches Engagement anmahnenden Worten von Coach Matteo zur Pause startete Depo mit neuem Mut in Halbzeit 2. Das Spiel konnte jetzt ausgeglichener gestaltet werden, wenigstens für ca. 15 Minuten. Nachdem Depo dann aber in der eigenen Hälfte drei Mal den Ball verloren hatte und ihn nur mit Müh, Not und Geschick zurückerobern konnte, brachte eine schwierige, und daher auch leicht missglückte, Ballnahme auf links den Gegner wieder in eine gute Angriffsposition gegen ein aufrückendes Depo. Was dann geschah war dummerweise einfach echt gut gespielt: Steckpass per Aussenrist dahin, wo es echt wehtut, und ein abermals chancenloser Jonas im direkten Eins-gegen-Eins-Duell.
Nach diesem 4-1 war das Spiel im Prinzip durch. Zwar gelang es Depo noch den Gegner in Gefahr – Schuss durch Loris aus zwölf Metern nach toller Vorarbeit von Matteo – und in Rage – merkwürdige Auseinandersetzung von Simon, der wirklich wenig bis nichts gemacht hatte, mit dem gegnerischen Goalie, welcher gleich mehrfach sogar zum Unverständnis seiner Teamkollegen eine Zehn-Minuten-Strafe forderte – zu bringen. Der Gegner kontrollierte sonst weiterhin das Spiel und sorgte mit einem schnellen Angriff und wieder so einem verfickten Schnittstellenpass kurz vor Schluss noch für den 5-1 Endstand.
Was bleibt?
- Die Gegner werden eher schlechter in Zukunft, Schachtjor war schon bockstark.,
- Depo wurde von Schachtjor zwar kontrolliert, aber nicht hergespielt. Fallen die Tore 1 und 2 nicht so, wie sie fallen, wäre es vielleicht enger geworden.
- Mit einem dichten Zentrum – Matt, Axe und Marc – und einer robusten Viererkette kann Depo langen Druckphasen Stand halten. Gerade in der ersten Hälfte haben wir nicht viel angeboten.
- Ein Stürmer a la Tom täte uns gut. Simon macht die Bälle fest, haut sich (und durchaus auch den Ball) rein, wäre wohl aber auch froh über einen Kollegen, den man bedingungslos in die Tiefe des Raumes schicken kann.
- Einige Depo-Spieler haben läuferische Schwächen (angeblich, gemäss Coach-Aussage). Vielleicht haben diese aber auch mit vorgängigen Hochzeits-, Festival- oder Bullingerturnier-Besuchen zu tun?
Ein letztes Wort nach dem Faux-Pas der letzten Rückrunde zum Gegner
Schachtjor gehört wie gesagt zu den besten Mannschaften der Liga. Der Schreibende hat in den letzten 15 Jahren nur wenig bessere Teams erleben bzw erdulden dürfen. Umso merkwürdiger erscheint die Unsportlichkeit aus der letzten Saison (für die Jüngeren, extremst unfaires Freistosstor mit Vermerk, dass man so was auch beim FC mache, what the fuck!). Die meisten der beteiligten Schachtarbeiter waren dieses Mal sichtlich um einen guten Auftritt und Deeskalation bemüht (Danke dafür, ernst gemeint!). So manches Verhalten, was auch heute auf dem Platz gezeigt wurde, muss dennoch nicht sein, gerade wenn man so gut ist (gut gemeinter Rat).
Das nächste Spiel ist immer das Nächste.
#depoomuerte
Kai
Depo: Jonas (Goal) – Haile / Phil, Vögi, Alessandro, Kai / Menga (Abwehr) – Jonathan, Matteo, Axe, Marc / Luca, Benno / Loris (Mittelfeld) – Flo L- / Simon (Sturm)