Remis, aber für wen?

Spielermangel, akut. Wenige Minuten vor Anpfiff: Mit dem Handy am Ohr tigert Depo-Präsident Kai aufgeregt an der Seitenlinie auf und ab. Was ist los? Kader zu dünn, nicht genug Spieler am Start! Notfallmässig versucht er, das anstehende Spiel zu verschieben. Aber ist das nicht etwas zu spät jetzt? Ach so, ein Fall von Ämterkumulation: Der Mann telefoniert hier nicht als Maximo Líder von Deportivo, sondern als Juniorentrainer des FC Wollishofen. Also gleiches Problem dort wie bei Depo? «Ja, aber bei 6-Jährigen ist viel schwieriger, kurzfristig Ersatz zu finden.»

Deadline Day. Den gibts zum Glück in der Alternativen Liga, sonst hätte Depo schon reihenweise in Unterzahl gespielt (oder auch mal gar nicht, aber let’s not go there). Nicht zum ersten Mal hatten sich keine elf Depos angemeldet, aber dank Coach Matteo und seinem anscheinend unerschöpflichen Gästereservoir stand dann doch ein stattliches und vor allem auch hochklassiges Kader bereit (Fachleute prophezeien dem Mann eine grosse Karriere als Spielervermittler). Und der Gegner, den wir erst vor drei Monaten knapp, aber verdient mit 2:0 besiegt hatten und der auch jetzt in der Tabelle hinter Depo klassiert ist? Bestand offenbar ebenfalls gut zur Hälfte aus Gastspielern. Eine Chance für Depo?

Szene des Spiels (1). Depo war zwar ziemlich hungrig auf einen Sieg heute, aber einer war hungriger: Matteo. Exemplarisch dafür diese Szene aus der zweiten Halbzeit: Als vorderster Mann setzte der Spielertrainer direkt an der Behindlinie so vorbildlich wie unerbittlich nach, luchste dem Gegner den Ball ab, machte ein paar Schritte in Richtung Tor und hatte dann auch noch das Auge für den perfekt einlaufenden Mitspieler – doch dessen starker Abschluss landete am Pfosten statt im langen Eck.

Szene des Spiels (2). Sicher, das mit vielen Gastspielern verstärkte Dynamo wäre auch diesmal schlagbar gewesen. Allerdings hätte das Spiel mehrmals auch genauso gut auf die andere Seite kippen können. Etwa zu Beginn der zweiten Halbzeit, als der Gegner uns immer wieder mit hohem Pressing unter Druck setzte und Depo zumindest in einer Szene viel zu lange den Ball nicht aus der Gefahrenzone geklärt bekam – für einmal sah das nach panischem Gewusel im Strafraum aus.

Die Null steht (1). Hinten hat Depo dicht gehalten, dank einer bärenstarken Leistung der Abwehr um Alessandro und Miklos, die jede Gefahr frühzeitig bannte, zusammen mit Alex als nicht nur defensiv unermüdlichem Sechser. Und als sich kurz vor Schluss doch noch ein Dynamo-Distanzversuch gefährlich in Richtung Tor senkte, machte unser präsidialer Juniorentrainer im Tor keinen Wank, bewies dabei aber arschcool sein messerscharfes Auge: «Aus!» (Latte.)

Die Null steht (2). Die Null blieb zwar bis zum Schlusspfiff stehen, nur tat sie das leider auch vorne. Trotzdem: Auf der heutigen Defensivleistung lässt sich aufbauen, nach vorn war heute manches ausbaufähig. Und irgendwas muss der Coach seinen Depos fürs nächste Spiel ja auch noch mit auf den Weg geben, sonst wirds ihm noch langweilig bei uns, und er wechselt schon morgen in die lukrative Spielervermittlungsbranche.

Depo: Kai – Alessandro, Flo K., Miklos, Philipp – Alex, Loris, Matteo, Rico – plus viele, viele Gastspieler (und Simon an der Linie)

Floke

Irgendwie guter Fehlstart gegen den Meister

Deportivo startet mit einer herben Niederlage gegen den amtierenden Meister in die Saison. 1-5 hiess es nach 80 Minuten gegen ein bärenstarkes und dieses Mal sich im Rahmen der Alternativligakonventionen bewegendes Schachtjor. Dennoch muss keine Katerstimmung herrschen, denn Leistung – ausser vielleicht die Laufleistung – und weitere Ansätze stimmen zuversichtlich.

«Sie sind jünger als wir, sie sind fitter als wir, sie sind besser als wir….» Depo-Nostalgiker müssten jetzt aufhorchen. Waren dies doch die Worte von «Tennisturnier-statt-Bullingerturnier»-Rico, mit denen er einen wunderbaren Artikel zu einem noch schöneren Spiel einleitete. Anno 2017, Cup-Spiel gegen Furttals Finest, 3-2 Depo, of our finest moments. (nachzulesen hier: Der Cup schreibt seine eigenen … – Deportivo). Tempi passati! Furttal ist nun (auch) alt, und, leider viel wichtiger, Geschichte wiederholt sich nicht (oder laut des grossen Denkers Karl Marx nur als Tragödie oder als Farce). Am ersten Spieltag der neuen Saison bekamen wir es mit dem amtierenden Meister zu tun. Schachtjor – da war doch was? Mehr dazu später – verfügt über eine eingespielte Mannschaft, mit einigem jungen und vor allem schnellen Blut und durch die Bank weg fussballerisch guten bis sehr guten Kickern (jünger – wenngleich nicht sehr – fitter, besser).

Nichts angeboten, drei kassiert

Folglich lief das Match von Anpfiff weg meist in Richtung des von Jonas gehüteten Depo-Tores. Zwar konnte «der Dicke» (nein, nicht der Bayern-Mario Götze, sondern der so vom Gegner gebrandmarkte Vögi) nach zehn Minuten einen möglichen Rückstand noch verhindern, indem er aus Karmagründen einen laut Jonas «klaren Penalty» nicht eingestehen wollte. Wenige Minuten später fiel dann das Depo-Bollwerk, welches gegen diesen sehr starken Gegner eigentlich gut funktionierte, doch zum ersten Mal. Der sonst tadellose Alessandro klärte eine der vielen Flanken per Kopf leider etwas zu kurz, so dass sich dem Grubenarbeitermittelstürmer eine Schusschance aus ca 20m zentral bot. Jonas hätte diesen sicher pariert und sofort einen brandgefährlichen Konter eingeläutet, wenn der Abschluss nicht von Ales Schienbein per Bogenlampe sich unhaltbar ins Netz gesenkt hätte.

Genauso lief das Spiel dann weiter. Schachtjor machte das Spiel, geduldig, ballsicher, aber auch chancenarm, da Depos Hintermannschaft samt des kompakten Mittelfeldes wenig bis nichts anbot. So bedurfte es eines, zugegebenermassen sehr gut gespielten Angriffs über die rechte Depo-Seite, eines Masterclass-Tricks, um «den Dicken» aussteigen zu lassen, aber auch eines nur mit dem Schienbein getroffenen Schussversuches, der sich wieder über den ja nicht so kleinen Jonas ins Eck senkte, für die scheinbar komfortable 2-0-Führung nach 20 Minuten.

War das schon der Vorentscheid? Mitnichten. Tatsächlich gelang es Depo zwar nicht, das Spiel offen zu gestalten. Dafür wurde aber nun auch für Gefahr vor des Gegners Tor gesorgt. Einen grossen Anteil hieran hatte Mittelstürmer Simon. Kaum mit Schuhen ausgestattet, bereitete er zuerst eine sehr gute Chance von Marc vor (schwer zu nehmen, daher leider drüber). Danach zeigte er einen klugen Laufweg, der ihm nach wunderbarer Flanke eben jenes Marc eine hervorragende Einschusschance ermöglichte. Wirkte die Ballannahme noch etwas unkonventionell, so war der Abschluss aus sieben Metern trocken und im Prinzip Formsache. 1-2, geht da eventuell etwas?

Ein paar Minuten schien es so. Der Gegner zeigte sich beinahe etwas nervös und opferte das eigenen Kurzpassspiel plötzlich für lange, im Prinzip gut abzuwehrende Schläge. Bis zur 39. Minute, wo ein perfekter, vielleicht zu verhindernder, aber nur schwer zu verteidigender Schnittstellenpass von links mit einem technisch anspruchsvollen Heber gekrönt wurde. Statt mit einem 1-2 musste Depo mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Pause gehen. Man hatte dem Gegner wenig angeboten, dieser daraus aber dummerweise drei Buden gemacht.

Appell, ausgeglichene Minuten, Karnickelfangschlag

Nach aufbauenden, aber auch mehr läuferisches Engagement anmahnenden Worten von Coach Matteo zur Pause startete Depo mit neuem Mut in Halbzeit 2. Das Spiel konnte jetzt ausgeglichener gestaltet werden, wenigstens für ca. 15 Minuten. Nachdem Depo dann aber in der eigenen Hälfte drei Mal den Ball verloren hatte und ihn nur mit Müh, Not und Geschick zurückerobern konnte, brachte eine schwierige, und daher auch leicht missglückte, Ballnahme auf links den Gegner wieder in eine gute Angriffsposition gegen ein aufrückendes Depo. Was dann geschah war dummerweise einfach echt gut gespielt: Steckpass per Aussenrist dahin, wo es echt wehtut, und ein abermals chancenloser Jonas im direkten Eins-gegen-Eins-Duell.

Nach diesem 4-1 war das Spiel im Prinzip durch. Zwar gelang es Depo noch den Gegner in Gefahr – Schuss durch Loris aus zwölf Metern nach toller Vorarbeit von Matteo – und in Rage – merkwürdige Auseinandersetzung von Simon, der wirklich wenig bis nichts gemacht hatte, mit dem gegnerischen Goalie, welcher gleich mehrfach sogar zum Unverständnis seiner Teamkollegen eine Zehn-Minuten-Strafe forderte – zu bringen. Der Gegner kontrollierte sonst weiterhin das Spiel und sorgte mit einem schnellen Angriff und wieder so einem verfickten Schnittstellenpass kurz vor Schluss noch für den 5-1 Endstand.

Was bleibt?

  • Die Gegner werden eher schlechter in Zukunft, Schachtjor war schon bockstark.,
  • Depo wurde von Schachtjor zwar kontrolliert, aber nicht hergespielt. Fallen die Tore 1 und 2 nicht so, wie sie fallen, wäre es vielleicht enger geworden.
  • Mit einem dichten Zentrum – Matt, Axe und Marc – und einer robusten Viererkette kann Depo langen Druckphasen Stand halten. Gerade in der ersten Hälfte haben wir nicht viel angeboten.
  • Ein Stürmer a la Tom täte uns gut. Simon macht die Bälle fest, haut sich (und durchaus auch den Ball) rein, wäre wohl aber auch froh über einen Kollegen, den man bedingungslos in die Tiefe des Raumes schicken kann.
  • Einige Depo-Spieler haben läuferische Schwächen (angeblich, gemäss Coach-Aussage). Vielleicht haben diese aber auch mit vorgängigen Hochzeits-, Festival- oder Bullingerturnier-Besuchen zu tun?

Ein letztes Wort nach dem Faux-Pas der letzten Rückrunde zum Gegner

Schachtjor gehört wie gesagt zu den besten Mannschaften der Liga. Der Schreibende hat in den letzten 15 Jahren nur wenig bessere Teams erleben bzw erdulden dürfen. Umso merkwürdiger erscheint die Unsportlichkeit aus der letzten Saison (für die Jüngeren, extremst unfaires Freistosstor mit Vermerk, dass man so was auch beim FC mache, what the fuck!). Die meisten der beteiligten Schachtarbeiter waren dieses Mal sichtlich um einen guten Auftritt und Deeskalation bemüht (Danke dafür, ernst gemeint!). So manches Verhalten, was auch heute auf dem Platz gezeigt wurde, muss dennoch nicht sein, gerade wenn man so gut ist (gut gemeinter Rat).

Das nächste Spiel ist immer das Nächste.

#depoomuerte

Kai

Depo: Jonas (Goal) – Haile / Phil, Vögi, Alessandro, Kai / Menga (Abwehr) – Jonathan, Matteo, Axe, Marc / Luca, Benno / Loris (Mittelfeld) – Flo L- / Simon (Sturm)