A tribute to Haile: Der Mann, der dort nichts zu suchen hat

Wer erinnert sich noch an die guten alten Zeiten? Es war noch vor Ukraine-Krieg, Corona und der Wiederauferstehung des Nebelspalters: Depo dominiert auf Platz 2 einen Gegner, welcher nicht Tormotor hiess, in der Art, dass man sich zu einer grossen Geste hinreissen lässt. In der Gewissheit eines weiteren Sieges wird als Dank für jahrelanges klagloses Hinhalten der eigenen, älter werdenden Knochen ein Penalty unserem Innenverteidiger Haile geschenkt (siehe Spielbericht «Der Vierfach-Tom gegen die Strandfussballer»). Spätestens nach Intervention des Präsidenten tritt dieser dann auch an, verwandelt und tritt so ins Reich der Statistik ein.

Vier Jahre später in einer trauriger scheinenden Welt zeigt sich, dass so ein Akt der Grosszügigkeit überhaupt nicht notwendig gewesen wäre, wenn unzählige Coaches (Benno, Miki, wie sie alle heissen) Spieler mal nicht nach Bias, sondern nach Kompetenzen aufstellen würden. Die (gefühlt und Penalty-unterstützt) Zehn-Tore-Saison des Schreibenden muss man da gar nicht erwähnen (auch wenn ich das hier tue). Aber, die Frage mag schon erlaubt sein, was für Depo möglich wäre, wenn anstelle der schnellen, technisch beschlagenen, durchsetzungsstarken, aber abschlussschwachen Toms, Icaros und wie sie alle heissen, schnörkel- und humorlose Akteure wie ein Jonas, ein Alesandro, ein Vögi oder halt ein Haile mal auf den gegnerischen Strafraum angesetzt würden? Denn, um auf dem Beginn dieses Absatzes zurückzukommen, am vergangenen Sonntag erzielte Haile nämlich wieder ein Tor, aus dem Spiel, geleitet von einem Stürmerinstinkt, den man nicht lernen kann, und sicherte uns dadurch beinahe den zweiten Saisonsieg.

Unorganisiertes, mathematisch fragwürdiges Depo

Zu verdanken war dieses Highlight einer gewissen Unorganisiertheit, die Depo auf Platz 11 (natürlich!) zeigte. Zwar waren wilden Spekulationen auf WhatsApp zum Trotz mehr als genug Depos anwesend. Einzig so fünf Minuten vor Spielbeginn wussten man nicht so ganz, wer denn dann auch wo und überhaupt spielen sollte. Vögi übte sich in präsidialer Zurückhaltung. Matteo übernahm Verantwortung, hatte aufgrund einiger Unbekannter aber Zuordnungsprobleme. Die eine Folge davon zeigte sich sofort: Depo wollte das Spiel mit zwölf Akteuren beginnen (Anmerkung: Wir machten diesen Faux-pas aber dadurch wieder ungeschehen, indem wir zu Beginn von Halbzeit Zwei nur zehn Mann auf den Rasen stellten).

Die zweite Konsequenz zeigte sich spätestens nach den ersten Wechseln. Verwundert rieb sich der Goalie die Augen, denn irgendetwas schien bei den – zugegeben zu Beginn eher seltenen – Depo-Angriffsversuchen nicht zu stimmen. Da turnten im wahrsten Sinne des Wortes so Spieler wie Haile, aber auch wie Ost-Philipp in vorderster Front rum. Anfangs bestachen Beide durch ihre Körperstatur, Präsenz und Gegnerdruck. Dennoch hatte man den Eindruck, dass sie da irgendwie nicht hingehören. Dass Depo insgesamt so gut wie keine Torgefahr ausstrahlte, lag aber weniger an ihnen noch am sich aufreibenden Simon, sondern am Gegner.

Der bislang beste Gegner gegen eine tolle Abwehr

Dieser, Dynamo Röntgen, gestaltete das ganze Spiel für uns etwas komplizierter. Man könnte sich soweit aus dem Fenster lehnen und sie als den bislang stärksten Gegner bezeichnen. Vor allem das Zusammenspiel und die Laufbereitschaft beeindruckten zu Beginn, wo sich Depo kaum einmal aus der eigenen Hälfte befreien konnte. Zum Glück konnten das «Licht am Fahrrad, Licht am Fahrrad, Dy-na-mo!» weder die eigenen, im Prinzip recht hübsch vorgetragenen Angriffsbemühungen krönen, noch Kapital aus den durchaus vorhandenen Fehlpässen der Depo-Abwehrreihe ziehen. Entweder scheiterten die Kontrahenten an der eigenen Schussungenauigkeit oder aber an der am heutigen Tag sehr konzentrierten und zweikampfstarken Abwehr.

Da war der Präsident, welcher sogar ein Sprintduell stilsicher für sich entscheiden konnte. Da war Nathan, der eindrucksvoll zeigte, dass es einmal eine Zeit gab, wo Belgien eher für Spieler wie Erik Gerets oder Marc Wilmots und weniger für Eden Hazard oder Romelu Lukaku stand. Und, da war der heimliche «man of the match», Alesandro, der an diesem Tag nur einen einzigen Zweikampf verlor, und den nach Auswechslung gegen Hailes Söhne neben dem Spielfeld.

Da Depo im Prinzip alles wegverteidigen konnte und zwei, drei Bälle, die dann doch durch oder Richtung Tor gingen, den Goalie (gleiche Person wie der Autor dieser Zeilen) eher vor wenig Probleme stellten, ging es mit einem torlosen Unentschieden in die Pause.

Haile (fast) zum Sieg

Halbzeit Zwei sah dann zwar etwas gradliniger vorgetragene Gegnerangriffe, die von einem Schlenzer beinah gekrönt wurden, welchen Neu-Goalie Jonas gekonnt an den Torpfosten guckte. Aber, es war Depo mit zwei (o.k., drei) spielentscheidenden Aktionen. Zuerst, Hailes Auftritt. Gastspieler Roman, Rocco, Robert, wie auch immer, Aktiver beim FC Wiedikon Senioren und sich dort die Abschlussstärke von Legende Yann C. anscheinend abgeschaut habend, setzt (historisches Präsens) zum Sturmlauf über links an und kommt sogar zum Abschluss. Der von Vögi auf der Bank als schwieriger Aufsetzer klassifizierte Schussversuch wird vom gegnerischen Goalie, wohl vom eigenen BVB-Roman-Bürki-Gedächtnis-Shirt inspiriert, nach vorne abprallen gelassen, wo dann tatsächlich im Stile eines echten Torjägers Haile auftaucht und den Ball mit links versenkt.

Damit nicht genug: Nur wenige Minuten später spielt Depo wieder hervorragend nach vorne, Simon zieht von links zentral in den Strafraum und hat aus zwölf Metern freie Schussbahn, setzt den Ball aber neben das Tor.

Das wäre der Fangschuss für Röntgen gewesen, so blieben sie im Spiel. Zwingend war das aber nicht mehr, was der Gegner da so veranstaltete, einen Schuss auf die kurze Ecke mal ausgenommen. Warum sie dann doch noch zum Ausgleich kamen, darüber decken wir den Mantel des Schweigens oder sagen wir es mal so: rausgespielt war der Treffer mitnichten, wenngleich das Zuspiel den Stürmer in recht gute Position brachte. Der finale Heber zum 1-1 war dann aber doch recht solide gemacht.

So einigte man sich auf am Ende auf ein Unentschieden, welches Spielverlauf und Chancen dann doch im Prinzip richtig wiedergibt. Damit beendet Depo die Hinrunde mit einem historischen Moment, ausbaufähigen vier Punkten und dem guten Gefühl, dieses Jahr mal einem anderen Team den Cupsieg zu gönnen.

Kai

Nachtrag

Interessante, aber schwer zu beantwortende Frage für Fussballkenner: Was ist an dem auf der FSFV-Webseite publizierten Ergebnis (7-1) unrealistischer? Dass Eglisau noch sechs weitere Tore erzielt oder dass Depo auch nur einmal genetzt hätte?

Die Geschichte des Spiels ist traurig und daher schnell erzählt. Depo zeichnet sich bis zur Halbzeit durch Ungefährlichkeit aus. Der Gegner trifft erst Mitte der ersten Hälfte Benno am Knöchel schmerzhaft und dann, kurz vor der Pause, durch ihren besten Fussballer und – wahrscheinlich – fragwürdigsten Charakter (auf dem Feld) zum 1-0. Depo dominiert auf dem Kartoffelacker Hälfte Zwei, Zählbares springt trotz eines guten Fernschusses, eines Kopfballs von Simon (Drücken, Junge!) und eines fast gekrönten Solos von Icaro nicht heraus.

Das Spiel endet 0-1, die Vater-Sohn-Kombo Icaro-Gustavo wartet weiter auf den ersten Punkt. Depo verliert ein Spiel, das es nicht verlieren musste, bei dem es aber irgendwie auch keinen Plan zeigte, es gewinnen zu können.

Ein Herzschlagfinale, das keiner so schnell vergessen wird*

Zürich, 4. September 2023 – An einem packenden Sonntagnachmittag standen sich die Titanen der Zürcher Alternativliga gegenüber: Team Deportivo und das etablierte Spitzenreiter-Team «Aurora». In einem Kulturkampf auf dem Rasen, der weit über die sportliche Metaebene hinausging, war es mehr als ein Spiel; es war ein Schlagabtausch zwischen dem aufstrebenden Deportivo und Aurora, dem letztjährigen Finalisten**. 

Unsere Unterstützer, von jungen Klimaaktivisten bis hin zu Landfrauen, waren da, um uns anzufeuern. Was dabei herauskam, war ein emotional aufgeladenes Drama, das bis zur letzten Minute spannend blieb. 

Die ersten 45 Minuten schienen wie ein Albtraum für Deportivo. Trotz einer gut organisierten Defensive und leidenschaftlichen Angriffen lief nichts zusammen. Auroras 1-0 fiel durch einen abgefälschten Sonntagsschuss, der unsere Abwehr und den Keeper düpierte. Und dann, Sekunden vor dem Halbzeitpfiff, fand ein leider hervorragender Schnittstellenpass seinen Weg durch unsere Reihen, was zum 2-0 für Aurora führte. Mit diesem bitteren Rückstand gingen wir in die Kabine. 

In der Pause fand unser Trainer die richtigen Worte. «Das Spiel ist noch nicht vorbei. Wir haben 45 Minuten, um Geschichte zu schreiben», donnerte er. Mit diesem Glauben kamen wir aus der Kabine und zeigten eine andere Seite von uns. Friedrich Nietzsche sagte einmal: «Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.» Und tatsächlich, das Chaos der ersten Halbzeit war der Nährboden für das, was folgte. 

Die Wende begann in der 70. Minute. Nach einem Durcheinander im Aurora-Strafraum und einem Pingpong-Zusammenspiel, das mehr einem Flipperautomaten glich als einem Fussballspiel, war es Tom**, unser fleißiger Stürmer, der den Ball in die Maschen drosch. Das Stadion explodierte in Jubel. Die Flammen der Hoffnung waren entfacht; das Comeback war in Sicht. 

Mit neuem Selbstvertrauen drängten wir auf den Ausgleich. Jeder Zweikampf wurde wie der letzte geführt, jede Ballberührung schien eine BesTommung zu haben. Aurora wackelte, doch der erlösende zweite Treffer wollte einfach nicht fallen. Unsere Jungs von Deportivo gaben alles, aber das Quäntchen Glück fehlte. 

Als der Schiedsrichter schließlich den Abpfiff ertönen ließ, war die Enttäuschung riesig, aber der Stolz überwog. Wir, Deportivo, hatten Aurora, das letztjährige Spitzenteam, an den Rand einer Niederlage gebracht. Auch wenn wir das Unentschieden knapp verpassten, war dieser Tag ein Zeugnis unseres unbändigen Willens und unserer kämpferischen Mentalität. 

Tom, der Held des Tages, brachte es auf den Punkt: «Heute haben wir nicht nur als Team, sondern als Familie gespielt. Und diese Familie wird weiterkämpfen, bis wir da stehen, wo wir hingehören.» 

Das nächste Spiel wartet bereits, und wir sind mehr als bereit. Der Glaube an Deportivo ist stärker denn je. Die Reise ist noch nicht zu Ende, und nach der heutigen Leistung zu urteilen, könnte sie uns noch weit bringen. Bis dahin, halten wir den Kopf hoch und das Herz stark. 

Für uns. Für Deportivo. Für die Fans. 

Hasta la victoria siempre! 

*Transparenzhinweis:  

Nach den wundervollen ersten zwei Spielberichten dieser Saison wollte sich der Autor der eigenen Unfähigkeit bewusst nicht einem Schreiberwettstteit aussetzen. Er hat daher – und auch um zu beweisen, um wie viel besser menschgemachte Texte sind – das beliebte und sympathische Programm ChatGPT4 beauftragt, den Bericht zu schreiben. Die verschiedenen Prompts, welche zum finalen Text führten, findet ihr hier: 

Prompt 1: «Du bist Presseverantwortlicher des besten Teams in der Zürcher Alternativliga. Schreibe einen emotionalen Spielbericht, bei dem Dein Team gegen das letztjährige Spitzenteam «Aurora» nach einem 2-0 Rückstand zur Pause beinah noch das Unentschieden erzielt hätte, nachdem der fleissige Stürmer Tim in der 70 Minute nach Pingpongzuspiel zum 2-1 verkürzt hatte.» 

Prompt 2: «ändere*** den Schluss in „Hasta la victoria siempre!“ » 

Prompt 3: «Ergänze den Namen deines Teams „Attractivo“**** im Artikel und merke an, dass das 1-0 des Gegners durch abgefälschten Sonntagsschuss und das 2-0 nach – leider hervorragenden – Schnittstellenpass Sekunden vor der Halbzeit fiel.» 

Prompt 5*****: «Perfekt, erweitere nun diesen Artikel um ein Zitat von Friedrich Nietzsche und baue die Wörter „Kulturkampf“, „Klimawandel“, „Landfrauen“ und „Metaebene“ ein.» 

Abschluss: «Vielen Dank!******* Antwort ChatGPT – Gern geschehen! Wenn Sie weitere Fragen haben oder weitere Anpassungen wünschen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Viel Spaß beim Weiterlesen oder was auch immer Sie vorhaben!» 

Fussnoten: 

**Das Programm wusste aufgrund der Trainingsdatenbeschränkung nicht, wer letztes Jahr gewonnen hat. 

***im Programm wurde «Tim» eingegeben, da man ja keine persönlichen Daten hinterlegen sollte. 

****TROTZ Schreibfehler wurde der Auftrag verstanden. 

*****siehe Punkt 2 

******für den Spass 

*******einer KI «Danke» sagen: Höflich, aber Stuss! 

Kai

Vom süssen Spiele gesättigt

Depo verdient sich den ersten Saisonsieg

Nach Flokes Pulitzer-Preis-würdigen Zeilen zum letzten Spiel in die Tasten greifen zu müssen – allein beim Gedanken daran erröte ich, das klägliche Scheitern vor Augen. Stamme ich doch sportjournalistisch aus einer Zeit des schieren Floskeln- und Phrasendreschens. Glaubt mir, ihr möchtet meine Matchberichte aus dem alten Wankdorf aus der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre nicht lesen!

Einzig machte ich mir damals einen Sport daraus, in möglichst jeden Artikel ein Hölderlin-Zitat zu schmuggeln, zum Beispiel: «Die Mauern stehn sprachlos und kalt, im Winde klirren die Fahnen», wenn es im vom Betonkrebs zerfressenen Stadiongemäuer mal wieder kalt und trostlos gewesen war und YB einen Grottenkick abgeliefert hatte, wie meist in jenen Jahren. Freilich wäre die Hölderlin-Zitiererei nie auch nur einem einzigen geneigten Leser der «Berner Zeitung» aufgefallen; sie blieb vergeb’ne Liebesmüh.

Nun, denn, zu den Phrasen: Das Double ist nach wie vor möglich! Ein hoch konzentriertes, solidarisches Depo zeigte die richtige Reaktion auf die vor Wochenfrist so knapp und unglücklich mit null zu eins verlorene Partie: Verdienter 2:0-Sieg gegen Real Cabrón. Dank Kampf, Teamgeist und Moral.

«Weh mir, wo nehm’ ich, wenn es Winter ist, die Blumen, und wo den Sonnenschein – und Schatten der Erde?», hätte Hölderlin zur über Nacht herbstlich gewordenen Szenerie vermutlich angemerkt. Die Wetterprognose erwies sich als äusserst zuverlässig, der Regen setzte pünktlich zu Spielbeginn ein, wurde immer stärker und liess erst nach, als wir uns klitschnass, aber glücklich in den Armen lagen. Dazwischen: voller Einsatz, der auch einige Blessuren zeitigte – gute Besserung Vögi und Serge!

Ruhig, ja unaufgeregt und dennoch voll bei der Sache – so startete Depo ins Spiel. Und setzte den Gegner mit ballsicherem Kurz-Pass-Spiel während der ganzen ersten Hälfte unter Druck. Wir standen hoch und agierten, da Matteo auf der rechten Aussenbahn meist weit vorrückte, hinten mit einer faktischen Dreierkette. Das Aufbauspiel der Gegner wurde stets früh gestört, Serge, Marc und Fabian eroberten zahlreiche Bälle. Auffallend, wie diszipliniert und mit welchem Team-Spirit Depo heute zu Werke ging. «Jeder für jeden» ist für einmal mehr als eine Phrase. Daraus resultierte bis zur Pause allerdings nur der eine Treffer, erzielt von Kasper mittels Kopfball beim nahen Pfosten im Anschluss an den einzigen Corner.

Wenngleich wir uns vor dem Seitenwechsel einig waren, dass dieses Cabrón heute zu packen war, liessen wir sie auf dem zunehmend glitschigen und dadurch unberechenbaren Terrain noch mal unnötig gefährlich werden, und Kai musste mittels sensationellem Reflex die Null halten. «Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch», wüsste Hölderlin hierzu anzumerken.

Wir besannen uns eines Besseren, lösten uns aus der kurzzeitigen Bedrängnis, wurden zwanzig Minuten vor Schluss wieder offensiver und selbstsicherer. Nach gescheiterten Abschlussversuchen von Vögi, Florin und Kasper folgte schliesslich die Erlösung durch Fabian, der danach nur lakonisch anmerkte: «Il’y a longtemps que j’ai pas marqué.» Heute aber tat er es, wuchtig und unhaltbar unter die Latte, zum längst fälligen zwei zu null, danach ermattete auch jeglicher Real-Cabrón’scher Widerstand. Und der erste Saisonsieg war so was von verdient im … Nein, «im Trockenen» wäre nun wirklich die falsche Floskel. Sagen wirs angesichts des schwindenden Sommers lieber mit Friedrich Hölderlin selig, denn die ganz grosse Geste ist angebracht:

«Nur Einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen!
Und einen Herbst zu reifem Gesange mir,
Dass williger mein Herz, vom süssen
Spiele gesättiget, dann mir sterbe.»

Und wisst ihr, was? Der merkliche Esprit und Zusammenhalt in unserem Team hat an diesem grauen Sonntag richtig, richtig Freude bereitet. Bestes Beispiel dafür ist Schumsinho, der sich trotz noch nicht ausgeheiltem Muskelfaserriss als Goalie zur Verfügung gestellt hätte, dann aber nicht gebraucht wurde und uns über die volle Spieldauer aufmunternd an der Seitenlinie unterstützte.

Aufstellung: Kai – Floke, Jonathan, Haile, Jonas, Miklos, Vögi, Bänz – Fabian, Serge, Hannes, Marc, Matteo – Kasper, Flo

Bänz

Der Mann mit der Tigerpranke

Gutes oder schlechtes Omen? So früh wie diesmal ist Depo beim Bullingerturnier ja noch nie ausgeschieden – schon vor dem ersten Spiel nämlich, das ist wohl Rekord. Und dabei hatte sich der eine oder andere zum Saisonauftakt schon auf die Doppelbelastung gefreut wie der FC Basel auf die Conference League. Der positive Nebeneffekt: Ohne Bullinger am Tag davor war die Personalnot beim ersten Ligaspiel auf dem Hardhof dann doch nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Unter den Gastspielern diesmal dabei: Icaro Junior aka Gustavo.

Meteo-Durchsage: 34 Grad im Schatten. Wobei, Schatten? Gibts auf Platz 2 bekanntlich nur an der Seitenlinie. Es war also heiss, sehr heiss – und auf dem Platz dann bald auch etwas hitzig. Es zeichnete sich ein enges Spiel ab, mit einem Gegner, der sicher nicht schwächer war als Depo, aber durchaus in Reichweite. Dann ein erster offsideverdächtiger Vorstoss von Tabula Rasant, den Simon abwehrte. Und bald darauf traf der Gegner doch noch zur Führung – aber weil der Spieler, der zuerst zum Ball ging, im Offside stand, wurde der Treffer einträchtig annulliert, da brauchte es keine Rücksprache mit Volketswil. Mit einem 0:0 gings in die Pause.

In der zweiten Halbzeit kündete sich dann doch ein Rückschlag an. Im Strafraum landete ein Ball unglücklich am angewinkelten Arm von Miki – Penalty, ohne Proteste. Tabulator lief an – doch Simon ahnte die Ecke und lenkte den scharf getretenen Schuss sackstark zur Seite ab. Wie sagte einst Franck Ribéry? «Jubel!»

Der Gegner hatte dann weiterhin die etwas klareren Chancen. Zu viele Bälle gingen bei Depo zu schnell wieder verloren, und doch hielten wir beherzt und mit unbändiger Leidenschaft dagegen. Und vor allem hatte Depo eine Tigerpranke im Tor, die auch noch einen um die Mauer aufs Eck gezirkelten Freistoss spektakulär per Flugparade in die Ecke lenkte.

Kann sein, dass wir da schon 0:1 zurück lagen. Vielleicht ist die Chronologie etwas durcheinander geraten in der Hitze. Hatten wir schon erwähnt, dass es heiss war, sehr heiss? Ach ja, der Gegentreffer: etwas kurios, nicht zwingend, aber auch nicht unverdient. Ein Freistoss, flach getreten, der unter (oder neben?) der Mauer hindurch den Weg ins Tor fand.

In den letzten Minuten bäumte sich Depo nochmals auf und drückte auf den Ausgleich – aber dieser sollte nicht mehr fallen. Wobei man realistischerweise auch einräumen muss: Ohne Simons Paraden im Tor – beim Penalty und auch sonst gleich mehrfach – hätte die Niederlage gut auch weniger knapp ausfallen können. Trotzdem war sich so mancher Routinier nach dem Schlusspfiff sicher: Mit dem Bullingerturnier in den Knochen hätte Depo diesen Gegner geschlagen, weil Momentum, Flow, you name it. Gesunde Selbsteinschätzung oder doch erste Anzeichen von Sonnenstich? Schreibs in die Kommentare!

Aufstellung: Simon – Bene, Haile, Miklos, Vögi – Bänz, Benno, Chaim, Floke, Gustavo, Icaro, Loris, Reto, Serge – Matteo, Patrick, Tom

Floke