Die Null steht immer noch

Bringt ja nichts, in den eigenen Wunden zu stochern, also machen wir’s kurz und schmerzlos: Wieder nicht schlecht gespielt, wieder verloren, wieder kein Tor geschossen. Wieder hinten recht gut gestanden, wieder praktisch keine echten Chancen herausgespielt. Vor allem in der zweiten Halbzeit lief der Ball streckenweise schon flüssig durch die eigenen Reihen, aber Durchschlagskraft in der Offensive war auch gegen die überaus fairen und spielerisch überaus biederen Gegner von Dynamo Röntgen ein Fremdwort. Wo bitte gehts hier zur Gefahrenzone?

Problemzonen haben wir viele, einzig das eigene Tor gehört nicht dazu, da hielt Luca einmal mehr, was es zu halten gab. Und es hilft sicher nicht, wenn wir bislang in jedem Spiel mit komplett anderer Besetzung im zentralen Mittelfeld antreten müssen. Zu allem Übel verloren wir schon im ersten Durchgang auch noch Rico, der bei einem Zweikampf an der Aussenlinie unglücklich umknickte. Aussenband gezerrt? Das medizinische Bulletin steht noch aus, aber der Schreibende wünscht so oder so gute Besserung.

Mehr als die Hälfte der Gruppenspiele sind jetzt durch, also höchste Zeit für einen Blick auf die Statistik. Nach drei Runden gibt es in der ganzen Liga nur drei Mannschaften, die weniger Tore kassiert haben als Deportivo La Habana. Merke: Wenn Fussball nur in der Defensive gespielt würde, könnten wir ganz vorne dabei sein. Aber wie wir leider wissen, hat jede Statistik ihre Kehrseite. Und bei uns ist sie alarmierend: Nach drei Runden gibt es keine Mannschaft, die so wenige Tore geschossen hat wie Depo, nämlich keines. In Zahlen: 0. Zero.

(Vielleicht hätten wir uns doch umtaufen sollen, wie das Trainer Yann an der GV angeregt hatte. Der Filmkritiker hätte inzwischen auch eine Idee: Zero Dark Depo.)

Jetzt aber Schluss mit unlustig und fertig mit zwecklosem Zweckzynismus. Nach dem Spiel gegen Dynamo gelangte eine langjährige Teamstütze in ihrer schonungslosen Analyse zum Schluss: Realistisch sei Rang 21. Für den Rest der Saison kann es also nur noch ein Ziel geben: diese deprimierende Prognose zu übertreffen.

Florian Keller

Und wieder ein 0:1

Trotz 8000%iger Steigerung (O-Ton Gabriel) im Vergleich zur Vorwoche verliert Depo auch Spiel Nr. 2 mit 0-1.

Nach dem wir letzte Woche genug Leute für zwei Mannschaften hatten, waren wir eine Woche später schon wieder froh um diverse Gäste. Typisch Depo, irgendwie. Coach Yann liess wieder die gewohnte 3er Abwehr aufstellen, mit unserem Abräumer Vögi in der Mitte, ein 5-Mann Mittelfeld und ein 2er Sturm sollten die nötige Durchschlagskraft in der Offensive liefern. Doch nach vorne lief wenig, gelegentlich kombinierten durchaus ansehnlich, aber spätestens am 16er war Schluss, oder aber die Flanken kamen nicht in die Gefahrenzone vors Tor. Man muss es in aller Deutlichkeit sagen: Zu mehr als ein paar Halbchancen waren wir nicht fähig an diesem Sonntag. Nun war es nicht so, dass die Riffraffer uns dominierten, das Spiel war ziemlich ausgeglichen, aber die besseren Chancen waren eindeutig auf ihrer Seite. Eine davon nutzten sie in Halbzeit 1 zur Führung, zwei, drei weitere vereitelte unser Keeper Luca bravourös. Halbzeit 2 sollte ein vergebliches Anrennen Richtung Riffraff-Tor werden, zusätzlich erschwert durch Wetter-Kapriolen, die an einen kräftigen Herbststurm erinnerten. Für den Aufreger des Nachmittags sorgte unser „Raubein“ Flo Keller, der in ungewohnter Manier einen Gegner so umsäbelte, dass einige sogar eine rote Karte forderten. Ein bisschen Härte kann dem braven Depo-Spiel nicht schaden, muss er sich gedacht haben, aber mal ehrlich, man konnte dem guten Flo in keiner Weise eine böse Absicht unterstellen.

So blieb es beim letztlich verdienten 0-1. Kämpferisch war die Leistung sicher in Ordnung, aber eben, 180 Minuten ohne Tor sprechen eine deutliche Sprache. Chance zur Wiedergutmachung folgt schon am nächsten Sonntag.

A GANAR DEPO! HASTA LA VICTORIA SIEMPRE!

Rico Steinemann

Zu spät aus dem Winterschlaf erwacht

Depo verliert das Auftaktspiel unnötig gegen Sputnik

Ein grosser Coach weiss, wann es Zeit ist zu schweigen. «Tüend zerscht mal dureschnuufe …», sagte Yann zur Pause, und wir wussten, was er danach sagen würde: dass wir unseren Vorsatz, fortwährend in Bewegung zu bleiben, zu gehen wie die Sau und uns dann angesichts des breiten Kaders rasch auswechseln zu lassen, den Gegner unter Druck zu setzen und zu laufen, laufen, laufen … dass wir diesen Vorsatz in keiner Weise umgesetzt hatten.

Yann sagte es dann ruhig und nüchtern. Das reichte. Nach dem Wechsel stand ein verwandeltes Depo auf dem Platz, genauer: Depo stand überhaupt erst auf dem Platz, offensiv, mutig und schnell. Eine Halbzeit lang dominierten wir Sputnik nun fast nach Belieben, wir standen hoch, liessen sie kaum noch aus ihrer Hälfte hinaus, kombinierten einfach, aber effizient. Und kamen endlich zu Chancen: Okan, Gabriel und Patrick scheitern aussichtsreich. In der 60. Minute prallt Miros Torschuss an einem Verteidiger ab, Yann doppelt nach und fordert den gegnerischen Goalie. Zwei Minuten später Penalty für Deportivo; Yann war gefoult worden. Beni H. übernimmt tapfer die Verantwortung. Als gelernter Goalie weiss er, wie man einen Goalie düpiert. Doch er will es dann so gut machen, dass der Ball in Baggio-Manier am Tor vorbeifliegt …

Aber wir haben ja noch Gabriel. Er rennt wie der Teufel und kommt zu mehreren Möglichkeiten, hat in der 75. Minute, von Patrick magistral lanciert, den sicheren Treffer auf dem Fuss, schickt den Goalie (vor dem er allein auftauchen konnte) in die weite Ecke … und dieser lenkt mit den Fingerspitzen in Corner.

So bleibt es zuletzt bei der blöden 0:1-Niederlage, die wir uns gleich zu Beginn eingebrockt hatten. Schon ihren ersten Eckball verwerteten die Sputniks nach vier Minuten zur Führung. Depo war schlicht noch nicht parat, war eine halbe Stunde lang wie gelähmt. Unser Hüter Luca musste öfter eine der entwischten Sputnik-Spitzen stoppen, er hielt dabei alles hin, Kopf und Kragen, Hand und Fuss … und einmal – uiiii, Luca! Es tat allein schon zum Zuschauen weh! – sogar die Eier. Und er konnte weiteres Ungemach verhindern.

Weil aber unser Sturmlauf nach der Pause (den Sputnik-Lattenschuss aus der 73. Minute unterschlagen wir jetzt einfach mal) unbelohnt blieb, wars ein missratener Saisonstart. Trotz dem tapferen Rackerer Oklé, unserem besten Mann; trotz Schummsi, der von sich behauptet, nicht ballsicher zu sein, auf dem Rasen aber als super Vögi-Ersatz im Abwehrzentrum einen achtzigminütigen Gegenbeweis hinlegt; trotz den unermüdlichen Meyer Bros. auf den Aussenbahnen; trotz Kai, der sich gut ins Team fügte, und trotz den willkommenen Neulingen Benjamin und Andreas, die als Aussenbacks gut standen und auf ihren Positionen mehr als nur valable Alternativen zu uns Oldies sind …

Fazit: Wieder mal einen Saisonstart verschlafen. Ein Trainingslager oder zumindest  -spiel tut 2015 unbedingt Not!!
Auch nächsten Sonntag gilt ¡Deportivo o muerte! und ¡Hasta la victoria siempre! und … ¡Gopferglemmi nicht im letzten Moment an- oder abmelden!

Bänz Friedli